Rentenanspruch bei Scheidung

So funktioniert der Versorgungsausgleich

11. April 2019

Rund ein Drittel aller Eheleute in Deutschland geht irgendwann getrennte Wege. Eine Scheidung bringt auch in finanzieller Hinsicht viele Veränderungen mit sich. Denn es ist unumgänglich, die gemeinsam erarbeiteten Werte aufzuteilen. Das gilt auch für Rentenansprüche.

Regelfall: Halbe-Halbe-Teilung

Während der Ehe erwerben beide Partner Rentenansprüche – die sogenannten Rentenanwartschaften. Diese sind oft unterschiedlich hoch, da beispielsweise ein Partner mehr verdient als der andere oder die Erwerbstätigkeit für die Kindererziehung aussetzt. Nach dem Halbteilungsgrundsatz werden die Anwartschaften im Regelfall bei einer Scheidung geteilt. Durch den Versorgungsausgleich geben beide Eheleute die Hälfte ihrer in der Ehezeit erworbenen Ansprüche an den jeweils anderen ab.

Vereinfachte Beispielrechnung zum Versorgungsausgleich

 

Partner A

Partner B
Anwartschaft vor der Eheschließung 200 Euro 150 Euro
Anwartschaft bei Scheidung 600 Euro 700 Euro
Anwartschaft aus der Ehezeit 400 Euro 550 Euro
Höhe des Ausgleichs an den Partner 200 Euro 275 Euro

Entscheidend ist die Ehezeit

Die Ehezeit ist die Zeitspanne, die für den Versorgungsausgleich relevant ist. Alle Anwartschaften, die einer der Ehepartner davor oder danach erworben hat, bleiben unberührt. Die Ehezeit beginnt mit dem Monat der Eheschließung. Der Stichtag für das Ende ist der letzte Tag des Monats, in dem der Scheidungsantrag dem Gericht zugestellt wird.

Beispiel: Die Eheschließung war am 30. Mai 2001. Damit beginnt die Ehezeit am 1. Mai 2001. Der Scheidungsantrag geht beim Gericht am 13. Juli 2019 ein. Damit endet die Ehezeit am 31. Juli 2019.

Betroffene Anwartschaften

Vom Versorgungsausgleich betroffen sind nicht nur die Anwartschaften der gesetzlichen Rentenversicherung in Form von Rentenpunkten auf dem Rentenkonto. Hinzu kommen gegebenenfalls beamtenrechtliche Versorgungsansprüche, Zusatzversorgungen oder auch berufsständische Versorgungen – zum Beispiel für Ärzte, Architekten oder Rechtsanwälte. Auch Ansprüche auf private Rentenversicherungen wie eine Riester-Rente oder eine betriebliche Altersversorgung fließen beim Versorgungsausgleich mit ein.

Ermittlung der notwendigen Angaben

Das zuständige Familiengericht entscheidet im Scheidungsverfahren über den Versorgungsausgleich. Ein Antrag ist hierfür im Regelfall nicht notwendig. Die Eheleute müssen für den Versorgungsausgleich alle notwendigen Angaben beim Gericht machen. Dieses fordert daraufhin die benötigten Unterlagen bei den Versorgungsträgern an. Auch die Eheleute erhalten die Unterlagen. So können sie alle Angaben genau auf Richtigkeit prüfen. Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, Letzteres einem Versicherungsmathematiker oder Rechtsanwalt zu überlassen.

Ausnahme: kein Versorgungsausgleich

Nicht immer kommt es bei einer Scheidung zum Versorgungsausgleich. Betrug die Ehezeit drei Jahre oder weniger, ist ein Antrag eines Ehepartners dafür notwendig. Zudem können die Eheleute in einem Ehevertrag oder einer Scheidungsfolgevereinbarung festhalten, dass sie auf einen Versorgungsausgleich ganz oder teilweise verzichten. Auch beim Scheidungstermin besteht die Möglichkeit, von der Teilung der Rentenansprüche abzusehen. Dies geht jedoch nur, wenn beide Parteien durch einen Anwalt vertreten werden.

Hinweis auf Beratung: Dieser Artikel gibt nur Anregungen sowie kurze Hinweise und erhebt damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen können eine persönliche und fachkundige Beratung etwa durch die Rentenkasse oder einen Rechtsanwalt nicht ersetzen.